Schlupfloch Fahrstrom

Ich habe mich in den Tesla S setzen dürfen.
Es ist eine verrückte Sache, aber das Auto löst einen direkten Will-Ich-Haben-Reflex aus. Das soll jetzt nicht so klingen, als hätte ich bereits eine Bestellung laufen.
Aber ich habe zumindest mal den Taschenrechner bemüht:
Eine Ladung kostet mit privatem Endkundenstrom ca. 25,00 € Brutto. Damit kommt man dann laut Angabe des Herstellers 450 km weit.

Wenn jetzt noch jemand auf die Idee kommt, sein Auto hauptsächlich am Wochenende zu nutzen und unter der Woche an seiner Solaranlage für 10 ct/kWh also dann für 85 kWh * 0,1 = 8,50 € zu laden, wird es eng.

„Wieso wird es eng ?“ höre ich den geneigten Leser denken.

Jetzt stellen wir uns doch einfach mal vor, dass 50 % der Autofahrer auf elektrische Fahrzeuge umsteigen. Wie viele Milliarden Mineralölsteuer entgehen dann dem deutschen Fiskus?

Da wird Elektromobilität schnell zum Steuersparmodell!
Wenn sich das herumspricht und die Menschen feststellen, dass sie mit 450 km sehr gut zurecht kommen, dann haben wir ein Problem.

Ist dass Steuerschlupfloch Elektromobilität erstmal in Berlin entdeckt worden, wird es wohl recht schnell gehen. Es wird zweifellos eine extra Steuer/Abgabe auf Fahrstrom geben, dass ist so sicher wie das Amen in der Kirche. Aber wie will man den einen von dem anderen Strom trennen?

Ich habe mich ja schon länger gefragt, weshalb die Steckdosen an den Fahrzeugen so anders aussehen. Noch darf Tesla ein Ladegerät mit normalem Schuko-Stecker mitliefern. Ein CEE-Stecker, wie man ihn auf vielen Wohnmobilstellpätzen findet, wäre eine schöne Sache. Davon sollte man sich wohl wie schon bei den 100 W-Glühlampen einen Vorrat anlegen.

Damit man Heizöl nicht in den Autotank füllt, wird es eingefärbt. Aber wie will man Strom einfärben? Es kann nur über die Steckdose geregelt werden. Man muss dann einen Anschluß mit einem extra Zähler installieren!

Wenn dies gesetzlich erzwungen wird, dann sind die Kosten für das elektronische Messsystem auch keine Frage mehr. Dann geht es ja um des Deutschen liebstes Spielzeug, um das Auto. Da weiß jeder moderne Politiker, dass man dem deutschen Autofahrer nahezu beliebig tief in die Tasche fassen kann, bevor er die Autobahnzufahrten nach Berlin blockiert.

Ja, ich höre schon die Argumente, dass Elektroautos Mumpitz sind und sich nie durchsetzen werden. Aber da lehne ich mich ganz gelassen zurück, denn:

Niemand wollte das erste Auto von Herrn Benz kaufen. Weil Pferde einfach sicherer waren.

Damals kaufte man den Treibstoff noch in der Apotheke und Mineralölsteuer völlig unbekannt.

Dieselautos waren langsam, rauchend und einfach uncool.

Diesel könnte man noch heute aus dem hauseigenen Öltank nehmen, wenn man dürfte.

Elektroautos sind unpraktisch, weil sie keine 1.000 km fahren können?

Aber wie viele Autos fahren mehr als 300 km am Tag, bevor sie wieder vor der eigenen Haustür stehen?
Noch dürfen wir den Strom für diesen Spaß aus der Steckdose ziehen.

Sollten die Steuereinnahmen also sinken, dann muss es sich um ein Steuerschlupfloch handeln.
Das ist politische Logik!

Also freuen wir uns auf die Fahrstromsteuer.

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