Unsicherheitsfaktor Selbstablesung

Wenn man sieht, was durch das BSI (Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik) und die PTB (Physikalisch-Technische Bundesanstalt) so alles an Sicherheit für den Energiezähler vorgesehen wird, dann befällt mich sofort der uralte Spruch „Was ich selber denk und tu, dass trau ich jedem anderen zu.“ JA wir leben in einer unsicheren Zeit, aber war die Zeit jemals wirklich sicherer? Demnächst sollen die Verbrauchsdaten der neu zu installierenden Zähler mit so hoher Sicherheit übertragen werden, dass nur noch elektronische Geldtransfers sicherer sind.

Letztens hatten wir wieder einen Ablesezettel im Briefkasten, der die Möglichkeit anbot, den Zählerstand selbst abzulesen, einzutragen und zurück zu senden. Dieser Gegensatz zu dem, was für den elektronischen Zähler geplant wird, ist unvorstellbar. Gut: Es gibt ein Briefgeheimnis, und wenn sich alle daran halten, dann liest auch niemand unseren Verbrauch mit. Aber fühle ich mich selbst der Verantwortung gewachsen, meinen eigenen Zählerstand abzulesen? Welche Ziffer gilt, wenn die Zählwerksrolle gerade auf der Kippe steht? Muss ich die untere oder die obere Ziffer ablesen? Man will ja auch keinen Fehler machen und nichts übersehen! Schnell steht man als Sünder am Pranger. Der „Falschableser“ steht dann in der Zeitung und man traut sich dann kaum noch durch die Straßen unseres überschaubaren Örtchens zu gehen.

Zwischenzeitlich hat meine Frau den Zähler abgelesen und den Stand auf der Karte eingetragen. Aber stopp! Hätten wir uns für die Selbstablesung zertifizieren lassen müssen? Hätten wir bei den Stadtwerken ein Seminar zur Selbstableseung besuchen müssen? Davon steht nichts auf der Karte, komisch. Naja, Unwissenheit schützt ja bekanntlich nicht vor Strafe. Also wer zertifiziert jetzt die Selbstableser? Wer sagt mir, ob ich überhaupt berechtigt bin, selbst abzulesen? Wie lange gilt eine solche Zertifizierung für Selbstableser und wer darf diese ausstellen oder verlängern? Wann und wo finden die nächsten Kurse statt?

Um nicht in eine Grundsatzdebatte über das Vertrauen in die menschliche Gesellschaft abzugleiten, stelle ich mir die Frage, wie es die Menschheit bis zu diesem Punkt geschafft hat? Wie war es möglich, die Keule beiseite zu legen und aus der Höhle in ein Haus zu ziehen, ohne dass jemand dies erlaubt hat? Es ist das Vertrauen, das man sich entgegen bringt! Vertrauen kann man nicht unbegrenzt in die eine oder andere Richtung überdehnen, auch dann nicht, wenn man unendliche Sicherheitsmechanismen gegen einen Rückschlagseffekt einbaut. Der geneigte Stromdieb wird wohl schaffen, eine Brücke über den hoch sicheren Zähler zu legen. Ebenso, wie es Betrüger geben wird, die eine falsche Rechnung zusenden, wovor die Telekom gerade warnt.

Während meine Gedanken gerade noch darum kreisen, wie es die Hanse seinerzeit wohl geschafft hat, internationale Geschäfte ohne Telefon und Internet abzuwickeln, hat meine Frau die Karte allen Sicherheitsbedenken zum Trotz mit den Worten „So, erledigt!“ in den Briefkasten geworfen. Sollte mir dies etwas sagen?

Seltsam

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