Negativer Strompreis für Kinder

Meine Tochter ist sehr vielseitig interessiert, was ich durchaus als normal empfinde. Als ich letztens etwas über den negativen Energiepreis erzählte, muss das für sie jedoch wie der Titel eines Märchens geklungen haben. „Wieso bekommt man Geld dafür, wenn etwas nimmt, wofür man sonst immer Geld bezahlen muss?“, fragte sie mich. Nun hatte ich mir ja schon vor Jahren vorgenommen, meinen Kindern alles in der Welt zu erklären, von dem ich meine, es verstanden zu haben. Was nicht immer ganz einfach ist.

Als unser großer Sohn beispielsweise letztens aus dem Biologieunterricht extra für Jungs mit dem Thema „Wie gehts, wie stehts?“ mit einem Kondom nach Haus kam, war das kein Problem. Die Frage meiner Tochter „Weshalb hat das Kondom Erdbeergeschmack?“ war da schon eine größere Herausforderung. Hier deswegen mal außer der Reihe die Bitte an alle Lehrer dieser Republik: „Denkt bitte an die möglichen Nebenwirkungen, wenn Ihr schon Anschauungsmaterial austeilt!“

Doch zurück zum negativen Strompreis: Weshalb bekommt man Geld für eine Leistung, die man sonst bezahlen muss? Der erste Versuch lautete: „Wenn man etwas zu viel macht, dann wollen andere, dass man damit aufhört und zahlen dafür Geld“. Damit landete ich ohne jeden Umweg direkt und ohne Vorwarnung am nächsten Baum. Denn meine Tochter meinte sofort: „Wieviele Stunden muss ich mit meiner Freundin telefonieren, damit ich etwas dafür bekomme, dass ich aufhöre?“ Der Gedanke ist nicht ganz verkehrt, aber wir haben vier Leitungen, da stört selbst eine Dreierkonferenz über den ganzen Tag hinweg nicht. Bevor ich mich also in monetäre Verpflichtungen gegenüber meiner Tochter verstricke, versuche ich den Strohhalm zu greifen und das Thema elegant zu wechseln.

„Die Europäische Zentralbank verlangt z.B. Geld dafür, wenn man Geld bei ihr anlegt. Damit sollen Leute, die zu viel Geld haben, dieses lieber an anderer Stelle anlegen. Also wenn man sich jetzt das Geld in 500-Euro-Scheinen vorstellt, dann müssen die ja irgendwo gelagert werden. Und für die Räume muss die Bank Miete zahlen. Diese Miete berechnet sie dann den Kunden, die das Geld gebracht haben“. Ich weiß auch, dass dies nicht exakt der Realität entspricht. Da aber die Rechner, auf denen die Zahlen gespeichert werden, auch Geld kosten, scheint mir der bildhafte Vergleich erlaubt.

„Gut gut, das habe ich verstanden“, höre ich. Doch der Unterton lässt in mir Zweifel aufkommen, ob das der Tatsache entspricht oder ob sie nur ihre Ruhe vor meinen Erklärungen haben möchte.

„Aber Papa, wenn zuviel Strom da ist, weshalb soll man dann weniger verbrauchen? Du hast mir doch erzählt, dass ihr auf Arbeit daran arbeitet, dass Unternehmen weniger Energie verbrauchen“. Als ich anfange, die Sache mit dem Tagesverlauf des Energieverbrauchs und den viertelstündlichen Messungen erklären zu wollen, sitze ich plötzlich alleine da. Aber meine Kinder können mir später nicht vorhalten, ich hätte es nicht versucht.

Vermutlich kann sich der geneigte Leser jetzt auch gut vorstellen, wie ich aus der Sache mit dem Erdbeergeschmack rausgekommen bin.

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