Energiewende wider Willen

Sicher bin ich wieder der Letzte, der es erfährt. Alle Welt weiß es, nur ich wieder nicht. Naja, irgendwann muss ich mich mal bei Gelegenheit damit abfinden.

„All 48 of the nation’s commercial reactors are now offline, but the government wants to restart those that clear newly established safety regulations despite strong public opposition.“
The Japan Times

Japan hat also den Atomausstieg einfach so umgesetzt. Ich verstehe dabei nur nicht, weshalb Japan noch keinen umfassenden Blackout hatte, oder habe ich dass auch überlesen? Es ist sicher immer noch eine große Tragödie, wenn auch nach so langer Zeit 267.000 Japaner in provisorischen Unterkünften leben. Dennoch beschäftigt mich die Frage, wie es möglich ist, dass Japan 48 Atomkraftwerke abschaltet und nicht in dem Chaos endet, das durch einen Blackout zu erwarten ist.

Das menschliche Leben und die menschliche Gesellschaft muss also deutlich robuster sein, als man so im Allgemeinen annehmen mag. Fast dachte ich schon, dass die menschliche Gesellschaft ohne Facebook zusammenbrechen müsste. Ja, ich fragte mich schon, wie die politische Wende in der DDR ohne Handy, Internet, Facebook und Twitter überhaupt möglich war. Es kann nur an der dem Menschen eigenen Energie liegen! Man kennt eben immer einen, der einen kennt, der einem weiter helfen kann. Dies sieht man besonders schön bei XING visualisiert. Um drei Ecken kennt man jeden.

Aber zurück zur Überlegung, weshalb Japan nicht komplett zusammengebrochen ist, wenn jetzt immer noch alle Atomkraftwerke abgeschaltet sind. Stellen wir uns vor, dass private Haushalter nur außerhalb der Spitzenlasten im Netz elektrische Energie erhalten würden. Was würde passieren? Wenn man die Netzbilanzen so ansieht, dann würde dies wohl hauptsächlich tagsüber an Arbeitstagen eintreten. Nun einige Kühlschränke würden sich für die Sache erwärmen, davon muss man wohl ausgehen. Viele könnten sich kein Trash-TV an Vormittag ansehen und würden wieder zur Zeitung oder zum Kofferradio greifen. Wer weiß noch was ein „Kofferradio“ ist? Wieviel Haushalte würden sich überlegen eine Notstromversorgung zu installieren? Also ich sehe viele Vorteile in einer solchen Lösung. Das würde der Wirtschaft und der technologischen Entwicklung einige wesentliche Impulse verleihen.

Ich kann förmlich die Entrüstung über diese Gedanken hören. Aber das ändert nichts an der Tatsache, dass dann, wenn die Bundesregierung das EEG dahingehend anpassen sollte und private Haushalte zur Absicherung der Netzstabilität abzuschalten sind, es auch akzeptiert werden würde. Man kann Energie eben nicht herbei protestieren.

Es ist wohl immer eine Frage der Perspektive. Wenn man abschalten muss, dann kann man es auch. Die europäische und vor allem deutsche Diskussion um die Versorgungssicherheit ist eine, die auf extrem hohen Niveau geführt wird. Fast neige ich zur Ansicht, dass menschliche Leben hinge an der 100% sicheren Versorgung mit elektrischer Energie. Aber sehen wir es realistisch, wenn die konventionellen Kraftwerke den Betrieb einstellen müssen, weil deren Versorgung mit Primärenergieträgern zusammengebrochen ist, dann muss es auch mit Sonne und Wind weitergehen. Und das wird es auch, ganz einfach weil es muss.

Wo stehen derzeit die meisten Wind- und Solarkapazitäten? Tja, im „Osten geht die Sonne auf“ mag ich da nur ausrufen.

PS: Was hat der Neandertaler gemacht, als erfuhr, dass er kein elektrisches Licht haben kann?
Er hat sich ein Feuer angemacht!

Ein Gedanke zu „Energiewende wider Willen“

  1. Das ist wie mit den Ladenöffnungszeiten. Früher hatten die Geschäfte nur bis 18 Uhr auf …. und trotzdem lebe ich noch und kann heute mit dem Kopf schütteln, wenn andere um 23:51 Uhr in den Supermarkt rennen, in dem natürlich auch bis lang in die Nacht das Licht brennt 😉 Grüße und Lob für deinen Blog. (facebookisch)Gefällt mir.(/facebookisch)

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