Einfach mal offline

Oft weiß man ja gar nicht, was man da macht. Heute habe ich den Ladestecker aus unserem Wohnmobil gezogen. Dies bedeutet, jetzt mindestens 72 Stunden offline vom deutschen Stromnetz zu sein. An das Gasnetz habe ich nicht versucht, es anzuschließen, da kein passender Stecker zu finden war.

„72 Stunden“ klingt nach einem spannenden Filmtitel aus Hollywood. Was ich aber im Selbstversuch spannend finde, ist der sofortige Wechsel der Denkrichtung. In dem Moment, wo der Stecker abgezogen ist, startet in meinem Kopf der Count-Down-Zähler!

Wir starten mit 170 Ah bzw. 2,04 kWh. Jeder, der sich schon gefragt hat, weshalb unsere Software auch Nachkommastellen anzeigt, wird jetzt vielleicht anfangen, mich zu verstehen. Jede Stunde volle Beleuchtung bucht jetzt 0,08 kWh vom Konto ab. Zwei Stunden DVD buchen 0,05 kWh ab. So geht es weiter durch die Zeit. Da sind Handys und diverse andere elektronische Geräte bis hin zur elektrischen Zahnbürste bei Laune zu halten. Im Winter kommen noch die elektrischen Teile der Heizung hinzu, die ca. 0,02 kWh pro Stunde abbuchen. So ist die Kapazität in 72 Stunden schnell aufgebraucht.

Ich verstehe ja alle Kollegen im Markt, wenn über Themen wie Versorgungssicherheit gesprochen, diskutiert, ja auch gestritten wird. Aber immer wenn ich an meine 72 Stunden denke – im Sommer werden daraus ohne Heizung auch gern mal 7 bis 10 Tage – dann klingt dies immer so, als würden sich zwei Autisten über Empathie streiten.

Für mich stelle ich fest, dass es sehr wohl möglich ist, aus dem Paradigma der Versorgungssicherheit der elektrischen Energie in das Paradigma der Energieverfügbarkeit zu wechseln. Das passiert zumindest bei mir immer dann, wenn ich den Stecker abziehe. Ab diesem Zeitpunkt wird mir Energie sehr bewusst.

Wie wäre es, wenn Autos zum Tanken nicht an die Tanksäule fahren müssten, sondern einfach immer fahren könnten? Die Abrechnung würde dann nur nach gefahrenen Kilometern erfolgen. Würden wir uns in diesem Fall um den Benzin- oder Dieselpreis kümmern und auf den Verbrauch achten, wenn die Abrechnung über eine monatliche Pauschale erfolgt und die richtige Rechnung erst nach 12 Monaten kommt. Wüssten wir dann überhaupt noch, woher die Kosten kommen?

Wenn unsere Gesellschaft von elektrischer Energie abhängig ist, wie ein Süchtiger von seiner Droge, dann ist jede Diskussion über den Energiepreis oder eine Reduzierung der Dosis absurd. So wie beim Süchtigen kann diese absolute Wahrheit nicht in das öffentliche Bewusstsein dringen. Ein Blackout ist dann glasklar ein kalter Entzug! Die Ersatzdroge der erneuerbaren Energien klingt zwar schön, wird aber auch nur die Nebenwirkungen dämpfen können.

Es gibt in der Natur keine Versorgungssicherheit!

Also ich für meinen Teil benötige unbedingt Sonnenlicht, sonst kann ich nicht denken und arbeiten!  Es ist doch eine wunderbare Aufgabe für die EU-Kommission, eine Verordnung auf den Weg zu bringen, dass die Sonne ab dem 01.01.2015 über Europa mindestens 20 Stunden pro Tag zu scheinen hat. Dies haben die Mitgliedstaaten in nationales Recht umzusetzen. Es gibt da doch genug Juristen, die sich mit Gesetzen auskennen, da kann doch so ein einfaches und zudem sicher schon veraltetes Naturgesetz kein Problem darstellen. Gesetze kann man ändern.  Was hindert uns?

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